Gegen Deutschland und seine Nazis

Mindestens neun Menschen haben die Nazis des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) in den vergangenen 13 Jahren ermordet, darunter Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık und Halit Yozgat.

Der Fakt, dass Nazis sich bewaffnen und Morde begehen, ist in vielen Gegenden Deutschlands Alltag. Dass sie dabei von staatlichen Stellen nicht viel zu befürchten haben bzw. nicht selten von diesen gedeckt werden, wenn nicht sogar Unterstützung erhalten, kann wohl nur jene überraschen, die aktiv die Konstitution von postnationalsozialistischem Staat und Gesellschaft verdrängen müssen: die überwiegende Mehrheit der Deutschen.

Die Organisationsform der NSU als jahrelang illegal operierender terroristischer Gruppe ist hierbei allerdings eine neue Qualität. Während Naziüberfälle (bei denen in den vergangenen 20 Jahren mindestens 182 Menschen ermordet wurden) normalerweise gar nicht oder unter ferner liefen in der Presse auftauchen, ist an der gegenwärtigen Situation zudem neu, dass alle Medien über die Morde der Nazi-Gruppe berichten – auch diejenigen, die in den vergangenen Jahren die Mordopfer sowie ihre Angehörigen als Teil eines kriminellen Milieus denunzierten.

Obwohl zum Beispiel die Opfer des Kölner Anschlags 2004 sich vehement gegen die Zuschreibung, dass sie Opfer von milieuinternen „Bandenkriegen“ seien, zur Wehr setzten und den faschistischen Charakter des Anschlags betonten, fand dies in der Linken kaum Beachtung. Das Gerede von den „Döner-Morden“ wurde gleichfalls nicht als rassistische Zuschreibung zurückgewiesen. Diese Handlungsunfähigkeit sagt viel über die deutsche Realität aus, deren Teil auch die McGuffin Foundation ist.

Auch wenn eine Demonstration zu diesem Zeitpunkt spät ist, sollte sie zumindest mit dem Ziel durchgeführt werden, die Verdrängung rassistischer und faschistischer Gewalt als Teil des Kampfes gegen dieselbe zu überwinden. Voraussetzung dafür ist aber das Erkennen des eigenen Versagens.

Antifaschistische Demonstration
»Der Tod ist ein Meister aus Deutschland«
28.1.2012 in Hamburg
13 Uhr, Hauptbahnhof
Aufruf und weitere Informationen unter
http://dertodisteinmeisteraus.de/.