Warum man den Film „Warum Israel“ nicht einfach so zeigen kann

(Vortrag in Wien, 20.1.10)

Wenn man einen Film an der Uni, zumal an einem Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaften zeigt, wenden vermutlich die meisten der zuschauenden Studierenden das Handwerkszeug der Filmwissenschaft oder auch einfach der Literaturwissenschaft an: Sie rezipieren die Geschichte, die der Film ihnen erzählt, sie analysieren dabei die spezifische Erzählweise und die Stilmittel; ihnen entgehen auch nicht die technischen Finessen, mit denen der Film arbeitet, und schließlich setzen sie ihn ins Verhältnis zu anderen Werken, die sie von seinem Regisseur oder zum gleichen Thema kennen. Handelt es sich um einen sogenannten „politischen Film“, sagen wir um einen fiktionalen Film zur Lage in Burkina Faso oder um einen Dokumentarfilm über Flüchtlinge in Deutschland, wird hinterher noch engagiert über den Gegenstand diskutiert; gefragt, ob der Film nicht vielleicht nur einen Ausschnitt zeigen kann, dann gemeinsam kurz gelacht über den Anspruch, dass er mehr als dies tun möge und erörtert, was man selbst hält von dem dargestellten Thema.
Dies alles ist aber nicht der Fall, wenn es sich um einen Film zu Israel handelt – noch dazu um einen, der seinen Inhalt als Anspruch bereits im Titel trägt. Statt Rezeptionsweisen zusammenzutragen und angeregte Diskussionen zu führen trägt man Sorge, dass die Vorführung des Film nicht, wie zuvor anderswo geschehen, verhindert wird (und zwar nicht etwa von Nazis, sondern von Linken), sucht mit Bedacht einen Vorführungsort aus, der einem nicht so leicht angreifbar erscheint und organisiert zusätzlich noch einen Saalschutz. Die Uni erscheint in solchen Überlegungen dann schnell erfolgversprechender als zum Beispiel linke Veranstaltungszentren. „Erfolgreich“ ist eine solche Vorführung dann, wenn sie überhaupt stattfinden kann. Warum ist das so?

In Hamburg sollte der Film „Warum Israel“ des französischen Regisseurs Claude Lanzmann im Oktober nicht an der Uni, sondern in einem kleinen Alternativkino, dem b-movie, gezeigt werden. Verhindert wurde die Vorführung von antiimperialistischen Israelhassern, die ihre Blockade des Zugangs zum Kino mittels eines Flugblatts begründeten, das mit „Warum nicht Israel?“ überschrieben war. Kinobesucher wurden von den Blockierern geschlagen und beschimpft. Daraufhin bildete sich ein Bündnis aus verschiedenen Gruppen, die dafür sorgen wollten, dass der Film neu angesetzt und bei diesem Mal auch gezeigt werden sollte. Die Gruppen, aus denen das Bündnis bestand, gehörten im weitesten Sinne einem antideutschen Spektrum an. Ihr Ziel bestand darin, „antisemitische Schläger unmöglich zu machen – auch linke“. Für den Tag der Neuansetzung des Films im b-movie im Dezember, etwa zwei Monate nach den Vorfällen, hatte das Bündnis zu einer Demonstration aufgerufen, welche dieses Mal für die Anwesenheit einer relevanten Öffentlichkeit vor Ort sowie für ein sicheres Geleit der Kinogäste in den Saal sorgen sollte. Den Demo-Aufruf haben in der Folge fast 200 UnterstützerInnen unterschrieben – Einzelpersonen, Kulturinstitutionen und jüdische Verbände, vor allem aber antifaschistische Gruppen aus dem gesamten Bundesgebiet.
Von den autonomen Gruppen in Hamburg, die nicht bisher schon der antideutschen Szene angehören, hat keine einzige den Aufruftext unterzeichnet. Weiterhin hat keine dieser Gruppen – als Gruppe – an der Demonstration teilgenommen; aus ihrer Ecke gab es höchstens beobachtende Einzelpersonen. Kritik an der Demonstration von dieser Seite beinhaltete häufig, es sei falsch, „Nationalfahnen“ auf Demonstrationen zu tragen. Außerdem fanden die autonomen Gruppen, die sich zum Aufruftext äußerten, es insbesondere wichtig, auf ihrem Recht auf Kritik an Israel zu beharren (das vorher gar nicht bestritten worden war).

Die Hamburger Vorfälle beinhalten eine Reihe von Mechanismen, die in den vergangenen Jahren immer wieder die Auseinandersetzungen über Antisemitismus innerhalb der Linken bestimmt haben: Verbissene Israelhasser, zumeist antiimperialistischer Art, fühlen sich von Symbolen Israels derartig bedroht, dass sie mit Gewalt wahlweise auf diese Symbole, auf deren TrägerInnen oder auf die Leute losgehen, die diesen Hass kritisieren. Mit den als „antideutsch“ ausgemachten SymbolträgerInnen und KritikerInnen will sich wiederum die autonome Linke nicht solidarisieren, schließlich wollten „die Antideutschen“, so eine autonome Reaktion auf den Hamburger Aufruftext, ja „die autonome Bewegung spalten und zerstören“. Die Autonomen, welche im Gegensatz zu den Antiimps selbst keine Israelfahnen anspucken, herunterreißen oder verbrennen und keine Antideutschen von der Anti-Nazi-Demonstration prügeln (wie in Hamburg 2004 geschehen), können sich von den antiimperialistischen Israelhassern aber nicht so richtig trennen. Da nehmen sie lieber in Kauf, dass „die Antideutschen“ von der Demo oder aus dem Projekt fliegen – denn deren propagierte Solidarität mit Israel verursacht ihnen doch auch irgendwie Bauchschmerzen oder zumindest ein schlechtes Gefühl.

Warum bekommen so viele Linke gastrologische Beschwerden, wenn es um Symbole des jüdischen Staates geht? Schließlich haben – ganz entgegen dem eigenen vehementen antinationalen Beharren – andere Nationalfahnen, und seien es solche von noch so diktatorisch regierten Ländern in Afrika oder Südamerika, noch nie auch nur das kleinste Sodbrennen bei ihnen hervorgerufen. Die tumbe Gewalt der Antiimperialisten finden sie ein Problem, falsch oder dumm – keinesfalls jedoch teilen sie die Einschätzung, dass es sich hierbei um Äußerungen von spezifisch antiimperialistischem Antisemitismus handelt. Ihr Hauptproblem ist hingegen, dass „die Antideutschen“ „Kritik an den aggressiven Anteilen der israelischen Politik des Staates Israel“ ständig „reflexhaft mit der stereotypen Anklage des Antisemitismus“ begegneten. Sprich: Erst erschlagen sie die Antiimps mit der Antisemitismuskeule – danach sind auch gleich WIR dran, die autonome Bewegung.
Bedenkensäußerungen wie die zitierte tragen eine interessante Wahrheit ganz eigener Art gleich in sich: Denn da müssen „die Antideutschen“ gar nicht erst ankommen, um auch der autonomen „Israelkritik“ Antisemitismus nachzuweisen, sondern die autonomen FreundInnen der nicht-antisemitischen Israelkritik sprechen sich diesen gleich selbst zu. Wie sich der Backlash-Sexist schon von der reinen Verregelung des Sprechens durch Political Correctness in der Ausübung seiner Rechte kastriert sieht, weiß die autonome Linke schon a priori, dass die Antideutschen etwas an ihnen zu kritisieren hätten – würden sie sich nur äußern. Da schweigen sie lieber, überlassen die „Israelkritik“ den Antiimperialisten und nur manchmal machen sie „die Antideutschen“ dafür verantwortlich, dass sie sich selbst den Mund verboten haben.

„Wer in Deutschland aufgewachsen ist, wurde und wird in unterschiedlichem Maß und in unterschiedlicher Form in seinem Bild vom Judentum und von Jüdinnen und Juden durch den Antisemitismus als kulturellen Code mitgeprägt“, heißt es in einer Stellungnahme des Hamburger autonomen Zentrums Rote Flora von 2004. In diesem Text offenbaren die Autorinnen viele Einsichten in das Funktionieren von Antisemitismus in der postnazistischen Mainstream-Gesellschaft wie auch in seiner spezifisch linken Ausprägung. Gleichzeitig ist diese Erklärung der Flora, die der fortschrittlichste mir bekannte Text nicht-antideutscher autonomer Urheberschaft ist, geprägt von dem Willen, sich mit dieser (auch die den Text schreibenden Subjekte durchziehenden) Struktur zu arrangieren – statt sie ernsthaft zu bekämpfen. So lautet die verschwurbelte Forderung aus den vorgebrachten Erkenntnissen: Eine „Reflexion [über die eigenen stereotypen Denkmuster über Jüdinnen und Juden, das Judentum und Israel und deren Funktion für das eigene Selbstverständnis] sollte dazu führen, dass diese stereotypen Denkmuster in Zukunft klarer erkannt werden, wenn sie innerhalb der eigenen Szene, aber auch sonst, Ausdruck finden und dass ihnen entschiedener entgegengetreten wird.“ Gegen die Forderung nach dem Engagement gegen Antisemitismus sperrt sich hier nicht nur die unmögliche Steigerungsform des „entschiedeneren“ Entgegentretens, sondern die Formulierung droht auch schon aufgrund ihrer eigenen Vagheit nach hinten zu kippen. Im Gegensatz zum autonomen Eintreten gegen andere Unterdrückungsmuster ist hier wohl eher kein wütendes „Fight Antisemitism“ zu erwarten. Fast müßig, zu erwähnen, dass der hier formulierte schon recht defensive Anspruch in den vergangenen fünf Jahren in absolute Konsequenzlosigkeit seitens der Flora mündete.
Was heißt es aber, sich mit dem „Antisemitismus in uns allen“, als den man diese Struktur bereits erkannt hat, nicht weiter auseinandersetzen zu wollen? Nichts anderes, als dass die linke Identität, die sich trotz allem als ignoranter Wille, zu den „Guten“ zu gehören, gebildet hat, ständig in Gefahr ist, über Wahrheiten zu stolpern, die sie längst kennt, aber erfolgreich immer wieder beiseite schiebt. Da weiß man gar nicht, wo man hinsoll, wenn solche Erkenntnisse einem immer wieder so nervig in den Weg gelegt werden. Denn halb weiß man ja selbst, dass das, was die antideutschen AntisemitismuskritikerInnen sagen, stimmt – zur anderen Hälfte aber findet man es auch irgendwie richtig, was die Antiimperialisten sagen, bloß so direkt und so gewalttätig sein ist ja wohl auch ein bisschen unnötig.
Man muss kein Psychosomatikexperte sein, um sich nicht darüber zu wundern, dass ein solches Hin- und Hergezogensein schon „irgendwie Bauchschmerzen“ verursachen kann.

Die Auseinandersetzungen, um die es hier geht, haben ihren Ausgangspunkt nicht zufällig an einem klaren Einschnitt in die postnazistische Gesellschaft: Mit der Aufhebung der Teilung Deutschlands und den als Friedensschluss anzusehenden sogenannten 2+4-Verträgen von 1990 (vorher hatte es nur einen Kapitulationsvertrag gegeben) wurde Deutschland wieder ein souveräner Staat. Parallel dazu entwickelte sich die Staatsideologie weg von einem Impuls, die eigene Kriegsschuld und die Täterschaft am Holocaust zu leugnen, hin zu einer Affirmation der eigenen Verantwortung, die sich fortan als die geläuterte Kennerschaft des Völkermords zeigte und ein „neues Auschwitz“ – in Serbien – zu entdecken meinte. Mit dem militärischen Eingreifen in den Jugoslawienkrieg 1994, also bereits 3 Jahre nach Inkrafttreten der Wiedererlangung der Souveränität, hatte sich Deutschland endgültig von seinem Knebeldasein als BRD befreit. Während vorher das Beharren auf Deutschlands Verantwortung für den Mord an 6 Millionen Juden und Jüdinnen die deutsche Ideologie angreifen konnte, hatte exakt diese Position zu einer negativen Modernisierung der Nation beigetragen, die nicht umsonst von rot-grün statt vorher von schwarz-gelb regiert wurde.
(In Österreich, wo lange Zeit die Selbststilisierung zum ‚Opfer der Nazis’ stark verbreitet war, haben sich in den vergangenen Jahren auch einige Sachen verändert. Das neue, geläuterte und damit aber viel angriffslustigere Österreichbild ist jetzt jung und modern in der FPÖ mainstreamfähig geworden. Trotzdem hat sich Österreich nicht wie Deutschland zu einer den Holocaust affirmierenden kriegsführenden Nation entwickelt.)
Während ein Teil der deutschen Linken die skizzierte Entwicklung hin zu einem „Staatsantifaschismus“ begrüßte oder ignorierte, wurde ein anderer, nämlich der autonome Teil der Linken, expliziter als vorher antinational. Die Kritik des spezifisch deutschen bürgerlichen Subjekts und seinem Hang zum antisemitischen Nationalgefühl geriet nach und nach zu einem immer wichtigeren Teil der eigenen Politik. Die antinational gewordenen Linken analysierten dieses deutsche Subjekt, aber wiederum nur einigen von ihnen war dabei klar, dass sie selbst auch solche deutschen Subjekte darstellten, und dass es demnach auch um eine Auseinandersetzung mit der eigenen Identität gehen müsste. Sie wurden fortan „die Antideutschen“ genannt.
Die anderen Autonomen versuchen seitdem, ihre Identität als „gute Linke“ zu retten, wider das bessere Wissen, das sie seit den Neunziger Jahre gesammelt haben, über deutsche nationale Identität, über von deutschen Arbeitern (und deutschen Arbeitslosen) angezündete Flüchtlingsheime und über neu aufflammenden Antisemitismus, der seine Welterklärungsansätze von ganz unten aus Ressentiments bezieht, die auch schon die eigenen Großeltern umgetrieben haben.

Die Rede ist hier die ganze Zeit von Antisemitismus – quasi ohne dass einE einzige jüdische AkteurIn auf der Bildfläche dieser Auseinandersetzungen erscheinen wäre. Weder, so ist zu vermuten, haben die Schläger aus dem antiimperialistischem Zentrum in der Hamburger Brigittenstraße je eine jüdische Person auf der Straße oder sonstwo tätlich angegriffen, noch schert es den jüdischen Staat einen Deut, was irgendwelche Linken, welcher Ausrichtung auch immer, über ihn denken.
Doch der geifernd vorgetragene Hass auf Israel, dessen Bezeichnung als „Kritik“ wohl unter die Rubrik „schlechte Verstecke“ fällt, braucht weder reale Juden noch reale Vorkommnisse in Israel, um sich zu füttern. Antisemitismus äußert sich als Hass, vor allem stellt er aber eine Erkenntnisstruktur dar – und die funktioniert genuin verschwörungstheoretisch. Eine Beschäftigung mit der Entwicklung der israelischen Gesellschaft, mit der Außenpolitik des Landes oder auch mit den Zuständen an den Grenzübergängen wird ständig überlagert durch Bilder, die eine solche Beschäftigung prädestinieren – und diese Bilder speisen sich aus den gleichen Motiven wie der antisemitische Hass gegen jüdische Personen. Wird die „israelische Militärmacht“ moniert, steht im Hintergrund der Ritualmord an christlichen Kindern, die wahnwitzigen Holocaust-Vergleiche wiederholen die Vernichtungsphantasie, welche die Nazis auf die Juden projiziert haben und durch den Topos des „künstlichen zionistischen Gebildes“ winkt die Idee der zersetzenden „Gegenrasse“. Sicherlich wäre auch eine „Kritik an Israel“, die nicht gleich mehrere antisemitische Motive vereint, denkbar. Solche hört man nur eher selten. Sie würde wahrscheinlich auch nur in einer sehr langen Abhandlung zur Außen- und Innenpolitik sehr vieler Staaten der Welt sich äußern und das Thema Israel dann eher kurz streifen. Der Drang zur „Kritik an Israel“ ist historisch einmalig – noch nie habe ich gehört, dass Leute, die sich mit Staaten beschäftigen, zu denen man eine Menge finden kann, ihre Äußerungen damit einleiten würden, dass man jetzt mal „Kritik am Iran“ oder „Kritik an Nordkorea“ üben müsse. Ebenso selten ergibt sich sonst bei internationalen linken Treffen die Situation, dass Linke aus einem anderen Land die Linke des eigenen Landes an Radikalität noch übertreffen. Nur in Bezug auf Israel kommt es vor, dass durchgeknallte Verschwörungstheoretiker in staatlichen Rundfunksendern des Auslands zur Lage ihrer Nation interviewt werden – tituliert als „Friedensaktivisten“.
Woraus der penetrante, ständig wiedergekäute linke Drang zur „Kritik an Israel“ sich speist, ist nichts anderes als das was 90 Prozent der Deutschen dazu trieb, in einer Umfrage anzugeben, dass Israel das Land ist, das zu allervorderst den Weltfrieden bedrohe: eine eigene Untergangsphantasie, projiziert nach außen. Die verschwörungstheoretische Sicht muss nicht zwingend etwas Jüdisches als Urheber des Bösen ausmachen – sie tut es nur empirisch allermeistens. Der Antisemit kann sozusagen aufhören, sich zu äußern, bevor er auf die Juden zu sprechen kommt – fährt er aber fort, kommt er eigentlich zwangsläufig immer dort an.

Das Mitführen einer Israelfahne auf einer linken Demonstration in Deutschland ist vor allem deshalb interessant, weil es absolut unverhältnismäßig ist, zu welchen Reaktionen das führen kann. Während man früher nur angepöbelt und angespuckt wurde, muss man inzwischen ernsthaft um seine körperliche Unversehrtheit bangen. Das liegt aber nicht daran, dass unverzagte AntinationalistInnen einen mal freundlich von der eigenen Staatsfixiertheit die sie darin ausmachen heilen wollen. Es liegt an der Bedrohung ihrer Identität.
Weil die Symbole Israels die Linken daran erinnern, dass etwas mit ihrer eigenen Konstitution nicht stimmt; weil eine Beschäftigung mit eigenem Antisemitismus dazu führen würde, nicht mehr wie vor dem Holocaust an das Gute der unterdrückten Klasse glauben zu können; weil also eine Israelfahne offensichtlich nie nur eine Fahne ist sondern eine Bedrohung der eigenen Identität, bleibt auch ein Film der „Warum Israel“ heißt nicht nur ein Film, sondern wird zum Emblem. Natürlich ist er auch ein Film, der unter ganz verschiedenen Gesichtspunkten spannende Diskussionen ermöglichen könnte: zum Beispiel die, was eigentlich das Besondere und fast Utopische an diesem Land ist, das als Reaktion auf den Holocaust gebildet wurde und durch die reine Tatsache seiner Existenz dem weltweiten Antisemitismus trotzt. Oder die Diskussion, ob die sozialistischen Versprechungen des Landes, welche in dem Film zur Sprache kommen, heute eigentlich noch vorhanden sind. Wenn solche Diskussionen hier nicht möglich sind, war das Zeigen des Films heute an diesem Institut nur ein Zeichen – ein Emblem. Aber zumindest eins für Israel.
Denn der Regisseur Claude Lanzmann, der sich in einer Grußadresse an die Organisatoren der zweiten (also der ersten stattgefunden habenden) Filmvorführung gewandt hat, irrte sich in einem Punkt: „Offensichtlich haben die Angreifer ‚Warum Israel’ nie gesehen und sind in keiner Weise in der Lage, ihn zu sehen“, schrieb er. Doch inzwischen haben nicht nur die Hamburger antiimperialistischen Schläger selbst, sondern hat auch zum Beispiel die durch und durch antiisraelische Hamburger Fraktion der Linkspartei den Film gezeigt – unwahrscheinlich, dass diese ihre Positionen so schnell gewandelt haben sollten. Offensichtlich kann auch die Aufführung des Films verschiedenen Zielen dienen – zum Beispiel dem, das Emblem herunterzureißen.
Dagegen hilft wohl nur, es weiter hochzuhalten.

tagediebin

(Die Ankündigung zur Filmvorführung mit Vortrag gibt es hier.)